„Es wäre traurig, wenn das iPad die Medienbranche nicht verändern würde. Dann wären Tablet- Computer ein Rohrkrepierer und die Verlage um eine Hoffnung ärmer. Aber diese düstere Vision wird nicht eintreten. Das iPad ist ein spannendes Gerät, mit dem wir auch journalistisch interessante Dinge anstellen können – vorausgesetzt wir begreifen, dass das iPad mehr ist als ein elektronischer Zeitungs- und Magazinleseapparat.“

Anton Notz, Redaktionsleiter, ftd.de

Inwiefern diese Aussage nun zu bewerten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, die Financial Times gibt es heute weder auf Papier noch in elektronischer Version.

Die elektronischen Medienerzeugnisse für Tablets sind seit langem dabei in sämtliche Bereiche der Printmedien vorzudringen und einige große traditionsreiche Marken mussten bereits daran glauben. Wie sieht es mit  dem Markt der Kochbücher aus? Was heißt das für das gedruckte Buch? Haben alle altbekannten Erzeuger ihre Daseinsberechtigung? Jeder musste sich seit dem unglaublichen Run auf dieses Gerät umstellen. Es schossen hunderte Koch- Apps aus dem Boden und teilweise wurden diese sogar kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Internet war sowieso schon den Verlagen ein Dorn im Auge. Überall wurden Rezepte fast schon inflationär zur Verfügung gestellt, warum noch ein Buch erwerben, wenn ich alle Zubereitungsformen auch umsonst downloaden kann? Mit der Einführung der Tablets folgte dem sogar noch der Umstand, dass dieses nun nicht umständlich vorher ausgedruckt werden musste, sondern das Internet jetzt direkt in der Küche zur Verfügung stand, und das dazu noch sehr bequem.

Wie stellt man sich als Verlag auf solch ein Szenario ein? Eine Frage die sich dem Handel immer mehr aufdrängt. Viele qualitativ hochwertigen Apps drängen mehr und mehr mit komplett neuen Zahlungsmodellen auf den Markt. Einzelne Rezepte sind dann wie Singles bei iTunes separat käuflich zu erwerben. Verliert man so das Ganze aus dem Sinn? Kann man so noch Geschichten oder gar Kochphilosophien erzählen?

Schaffen es die Verlage nicht, der elektronischen Alternative neue Konzepte entgegenzustellen, bleibt nur noch zu hoffen, dass diese nicht dafür sorgen, dass das gedruckte Buch selbst nicht zu der Alternative gemacht wird.

 

In diesem Sinne startet mit dem heutigen Tage ein sehr spontan umgesetztes Event unter Bloggern, welches nicht so daher kommt, wie man es eigentlich sonst so erwartet. Viele Schreiberlinge haben es sich in dieser Woche zur Aufgabe gemacht das gedruckte Werk vorzustellen. Mit dem Namen „Jeden Tag ein Buch“ startet es heute in eine kunterbunte Reise der Printmedien. Durch die enorm breitgefächerte Teilnahmebereitschaft in der deutschsprachigen Blogosphäre, ist ein Mehrwert für Jedermann schon fast voraus  gesetzt. Es geht darum, Genussbücher in jeglicher Form vorzustellen.

Ich werde auf diesem Blog in dieser Woche zwei Kochbücher vorstellen. Das eine gibt es schon seit einigen Monaten und wurde gerade in letzter Zeit immer wieder von mir aus dem Schrank geholt, so dass ich es mir diesmal sehr genau unter die Lupe genommen habe. Das zweite Werk ist eine Neuerscheinung und protzt voller Charaktere mit „Ego- Boost“.

In diesem Sinne hoffe ich auf eine tolle Woche und nehme mir vor, die schönsten Perlen hier für Euch dann noch einmal abschließend zusammen zu fassen. Auf dass uns der Buchmarkt nicht eingehen werde, denn Genussbücher braucht das Land!

PS: Es mutet schon ziemlich paradox an, dass eine aus den elektronischen Medien enstandene Gemeinde, für das konventionell gedruckte Buch kämpft.

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Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

One thought on “Jeden Tag ein Buch

  1. Julia on 8. Juli 2013 at 13:29 Antworten

    Schön, dass dieser Aspekt auch mal zur Sprache kommt. Ich bin ja immer noch davon überzeugt, dass Offline- und Online-Welt friedlich, bereichernd und auch lukrativ ko-existieren können. Leider sind oft beide Seiten etwas betriebsblind (um es mal höflich auszudrücken). Ich bin gespannt auf Deine 2 Buchvorstellungen!

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