Wie ich es hier an der ein oder anderen Stelle schon angemerkt habe, gibt es einen Ort, zu dem ein alter Chef und Freund mich vor einigen Jahren geführt hatte und seitdem ist es für mich ein Stück französischer Lebensfreude inmitten der Hauptstadt der Musik. Finden tun wir diesen Ort im Zentrum, wobei man sich in Berlin sehr schwer tut, ein echtes Zentrum zu finden. Eines dieser ist in unmittelbarer Nähe zum “Rosenthaler Platz”. Noch ist es ein für Nicht- Berliner ein wirklicher Geheimtipp (“Mir ist schon klar, wenn man in einem Blog einen Geheimtipp postet, dass er diesen Titel lang nicht mehr tragen darf”), und nur von der Kreativenelite* Berlins erschlossen.

Dort angekommen offenbart sich einem sofort der Umstand, dass man sich hier auf einem sehr kleinen Stückchen Land der Kaffeekultur befindet. Man gehört entweder zu der Fraktion, der es aufgrund des Mottos “Der frühe Vogel fängt den Wurm” gelungen ist, einen der begehrten mit kuscheligen leicht kitschig angehauchten aber trotzdem nicht unpassenden Kissen ausgestatteten Bankplätze zu ergattern, oder man darf an einem der prinzipiell für die angebotenen Frühstücke viel zu kleinen aber dennoch hübsch anzusehenden 2er, 3er oder gar 4er Tischen Platz nehmen. Vom Letzteren gibt es aber tatsächlich nur einen. Man regelt eine größere Tafelrunde eher mit kollektivem Stühlerücken und hat dann entsprechend weniger Platz pro Person pro Tisch, Was die Sachlage mit den kleinen Tischen und den umfangreichen Frühstücksangeboten erheblich dramatisiert, aber man ist ja kreativ!

Hat man endlich die passende und wahrscheinlich einzige sich bietende Sitzgelegenheit in Anspruch genommen, bemerkt man beim ersten Besuch zwangsläufig, dass von den netten Damen keine an den Tisch kommen mag. Aber da das Lokal nun wie schon ebent erwähnt gar nicht mal so überdimensioniert ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis einem das Kärtchen auf dem Tisch freundlich aber dennoch bestimmt erklärt, dass es sich hier um einen Selbstbedienungsladen handelt. Also ab an die Theke. Die Dauer des sich Anstellens überbrückt man am besten mit dem Besichtigen der Vitrine, dort sind so mancherlei Leckereien ausgestellt… und das Gute daran, alle sind käuflich. Das geht ASngebot reicht von kleinen Karamelltörtchen, Quiche Provence, Käsekuchen bis hin zu feinen Tartes. Alles sieht frisch produziert aus und das Angebot wechselt auch.

Wir bestellten den Klassiker… das Große Französische Frühstück… man glaubt es kaum. Neben dem leckeren Brot wird da eine Auswahl an verschiedenen Wurst- & Käsesorten die unverwechselbare Entenrillettes gereicht. Ein Traum. Kostet zusammen schon einen stolzen Taler, teilt man es sich aber, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Gekochte Bioeier gibt es der Order entsprechend gereicht und die Qualität der Kaffeegetränke sind auch in Ordnung.

Natürlich ist beim “Petit Dejeuner” eine Lektüre von Nöten. Neben ausgesuchter heimischer/ regionaler Presse gibt es auch noch original Comics in französischer Sprache. Auch nicht gerade selbstverständlich.

Wer sich ein Stück Paris nach Hause nehmen möchte, hat die Möglichkeit sich recht viele der eingemachten Spezialitäten zu erstehen. Wird wohl eher bei den sich ab und an hierhin verlaufenden Touristen ziehen, denn der Berliner kommt dann doch lieber zum Frühstück wieder. Vor allen Dingen zur frühen Stund`, denn da verwöhnt einem die Morgensonne, welche bei heiterem Wetter jeden Tag den Laden auf der Ostseite streift, den Start in den schöpferischen Tag. Wo ist mein iPad? (“Ach ja ich habe ja noch gar keins, ich komme trozdem wieder”).

Café Fleury
Weinbergsweg 20, 10119 Berlin
Öffnungszeiten von Montag-Freitag: 8-22 Uhr & Samstag und Sonntag:10-22h.
*Kreativenelite= Individuum mit wenigstens einem Apple- Produkt ausgestattet, welches gut sichtbar am eigenem Körper platziert zu sein hat; derzeit mit Slim- Hosen (weiß, schwarz oder grau aber auch rot) und leichten Shirts (wahlweise lila oder auch grün), Discountlatschern, und dem obligatorischem Tuch (bei Wind und Wetter gerne aber auch Sonne) ausgestattet; unterwegs stets mit einer italienischen, koffeinhaltigen noch dazu heißen Kaffeespezialität ausgestattet natürlich “To Go” mit lactosefreier Sojamilch oder aber in Ausnahmefällen ein “Smoothie Mango”; normalerweise nicht vor 15 Uhr wach… für ein Frühstück beim bezeichneten Franzosen muß er das auch nicht früher sein, denn hier gibt es Frühstück den ganzen Tag

 

 

Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

10 thoughts on “Ein kleines Stück Frankreich, jedenfalls so wie ich mir das vorstell`!

  1. KochSchlampe on 15. März 2011 at 10:14 Antworten

    Not to put too fine a point to it…. aber das Fleury ist schon lange kein Geheimtip mehr, wenn es das je war. Seit seiner Gründung ist es da eigentlich immer gerammelt voll, wenn auch durchaus berechtigt. Und es ist nun wirklich nicht die Kreativenelite, die da rumhängt, sondern einfach nur die Menschen aus der Umgebung.

    1. bert007 on 15. März 2011 at 20:58 Antworten

      Bitte bitte nimm diesen Blog auf seine Art schon irgendwie ernst aber bitte nicht zu ernst. Für viele mag es nicht der Geheimtipp mehr sein, ich empfinde es allerdings schon noch so und wenn die Menschen ganz normal sind (“Was heißt das schon”), dann kann das schon sein, ich war ja schließlich auch da :-)!
      Und ich finde schon, dass wir uns in Prenzlauer Berg, F`hain und Co. in Gesellschaft einiger Menschen mit sehr schöpferischem Hintergrund bewegen, und die treffe ich jedenfalls auch dort an.

  2. Alex [Chef Hansen] on 15. März 2011 at 10:35 Antworten

    Ach schön – die Kreativenelite. Hab ich hier in Stuttgart noch nie gesehen. Hier gibt´s aber auch keine passenden Cafés – entweder sie heißen gleich Café Künstlerbund oder so, oder wenn sie denn rein äußerlich was her machen und sogar Bohnen aus einer kleinen Hausrösterei anbieten kommt der Milchschaum dann aber doch aus dem Automat. Gerne wird sich auch verkünstelt mit Kaffee mit zwei Sorten Schokolade, Milchschaum, Schlagsahne und Karamell-Nuss-Topping…

    1. bert007 on 15. März 2011 at 21:02 Antworten

      Ja genau, (noch) einer der mich versteht. Es gibt in Berlin aber einen Kaffeeladen, da bekommst Du den allerleckersten Kaffee der Welt und einer der Betreiber erklärt in diesem Podcast, worum es beim Kaffeetrinken eigentlich geht. Unbedingt mal reinhören, ist eine absolute Empfehlung über wissenwertes über den Kaffee. Wo wir wieder bei dem Thema wären. Nerds gibt es auch im Café fleury, ich habe Constanze Kurz auch schon dort angetroffen, also auch eine Kreative im weitesten Sinne, oder?

  3. Bolliskitchen on 15. März 2011 at 11:56 Antworten

    alle hauen sie immer auf der frz. Küche herum, aber gut finden sie sie dann doch alle!

    Vive la France!

    Leider gibt’s sowas NICHT in Paris!

    1. bert007 on 15. März 2011 at 20:58 Antworten

      Ich liebe die französische Küche und ich hacke nicht auf der herum. Ich muss wohl mal endlich nach Paris. Ich fang heute direkt an zu sparen.

  4. […] Ein kleines Stück Frankreich, jedenfalls so wie ich mir das vorstell`! […]

  5. bert007 on 15. März 2011 at 21:05 Antworten

    Ja mein Französisch beschränkt sich auch eher auf das Fachliche und hält sich entsprechend im Rahmen, so dass ein Comiclesen schon garnicht mehr möglich ist. Aber Latein ist auch hier und da noch anwendbar, wenn man zum Beispiel diese bescheuerten Fragen auf dem Stuhl von Günther Jauch beantworten muss, dann ist das schon sehr nützlich.

  6. Bolliskitchen on 17. März 2011 at 09:16 Antworten

    dann schau mal bei mir, wie die Leute auf Entenstopfleber reagieren! Und als die UNESCO die frz. Küche zum Weltkulturgut erhoben hat, habe ich auf diversen Blogs deren Einspruch dagegen gelesen…..
    Mit der Foie Gras ist das genauso, offen nicht zugeben, aber heimlich reinstopfen!

    Wahrscheinlich eh nur purer Neid!

  7. Andreas on 28. März 2011 at 14:40 Antworten

    Auch eines meiner Lieblingskaffees auch wenn es inzwischen meist etwas übervölkert ist… das waren noch Zeiten, als ich quasi direkt um Ecke gewohnt habe.

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