Es ist vollbracht. Das Voting hat zu einem recht eindeutigen Ergebnis geführt. Ihr hattet innerhalb einer Frist von 21 Tagen die Möglichkeit für die von mir im letzten Jahr hier rezensierten 21 Kochbücher Eure Stimme abzugeben. Diese Stimme sollte letztendlich darüber entscheiden, welches Kochbuch Euch am besten gefallen hatte. Das Ergebnis ist für meine Begriffe kein gutes Omen für die deutsche Kochbuchkultur. Aber dazu später mehr.

Über 600 Stimmen sind eingegangen. Die meisten machten dabei auch von ihrem Recht Gebrauch, gleich mehrere Titel auszuwählen. So kam es nicht selten vor, dass sämtliche der drei verfügbaren Stimmen, hinterlassen worden sind. Auch durftet Ihr eigene Vorschläge nachnominieren. So geschah es auch bei den Werken von Claudio del Principe („Italien vegetarisch“) oder Stevan Paul („Auf die Hand“).

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Kochbuch des Jahres 2014

Durchgesetzt haben sich aber am Ende aber drei sogenannte „Großkaliber“. Auf Platz 1 liegt weit abgeschlagen das noch auf den letzten Drücker veröffentlichte Buch aus dem Matthaes Verlag namens „Französische Küche“ von Yannick Alléno. Dieser mit fast 800 Seiten sehr umfangreiche Band ist auch in meinen Augen das Kochbuch 2014.

Stimmen aus der hiesigen deutschsprachigen Journaille sind zum Beispiel folgende:

„ … Die exzellenten, aufs Wesentliche reduzierten Bilder erwecken zudem beim Betrachter ein unvergleichliches Genusserlebnis. …“ -Buchgourmet.com

„ … Das Buch ist hervorragend und nicht nur ein exzellentes Weihnachtsgeschenk, sondern eines der wenigen Bücher, mit dem engagierte Privatköche (und natürlich auch Profis) sehr weit kommen können …“ – Jürgen Dollase | FAZ

„ … Es ist ein authentisches Buch und ein kleines Stück Luxus, das jeden Cent wert ist …“ – AHGZ Online

Der zweite Platz ist eigentlich eine Mini- Ausgabe, vergleicht man diese mit dem ursprünglichen Werk. Die Rede ist vom „Modernist Cuisine at home“. Er hat Euch fast genauso begeistert und ist immer noch ein sehr gut verkauftes Buch. Konzeptionell sticht es durch die einzigartige Betrachtungsweise der verschiedenen Zubereitungsarten hervor.

Hier wird regelrecht ein Querschnitt des jeweiligen Prozesses dargestellt und dem Leser ein absolutes Novum geboten. Auch hier haben wir einen recht hohen Verkaufspreis, welcher offensichtlich jeden Cent wert ist:

„ … Das Nonplusultra für alle Köche, die es ganz genau wissen wollen, vom Hobbykoch bis zum Profi. Alle werden Unmengen an Material, Ideen und vor allem Denkanstößen finden. …” – Jürgen Dollase | FAZ

„ … Dazu ist es, wie gesagt, wesentlich alltagsfreundlicher und bringt Rezepte für alles, was man halt so kocht: Rührei, Salat, Kartoffelsuppe, Chickenwings, Pichelsteiner, Steaks, Nudeln, Pizza, Schweinebauch, Cheeseburger, Thaisuppe oder Lammcurry – allesamt aber aufregend modernistisch rezeptiert, also nach allen Regeln der Highend-Avantgarde-Kochkunst. …“ – Peter Wagner | Spiegel.de

„ … Trotz seines hohen fachlichen Niveaus ist Modernist Cuisine at Home in vielem unkonventionell und daher auch erfrischend zu lesen. Ob mit perfekten Pommes Frites oder einem sous vide gegarten Hühnerfond, die Gäste mit Besonderem zu überraschen ist die eine Seite des Buches. …“ – Peter Hämmerle | falstaff Online

Zu guter Letzt bleibt mir nun noch die Ernennung des Drittplatzierten. Dieser Rang geht an ein weiteres Kochbuch aus dem Matthaes Verlag, welcher sich die Lizenz für die deutsche Umsetzung der kulinarischen Momentaufnahme von Ben Shewrys „Origin“ gesichert hat. Er verkörpert eine Kochphilosophie, welche über das alltägliche Maß hinaus geht. Zudem ist er sich seiner Verantwortung als einer der bekanntesten Küchenchefs bewusst, wenn er kund tut, dass selbst schon das Speisenkartenschreiben einen enormen Einfluss auf all die unbekannten Kollegen seiner Zunft hat. Das sind wahre Worte, welche neben den tollen Bildern und Inhalten aus diesem Buch mit Eurer Stimme bestätigt wurden.

Im Netz findet man auch andere Stimmen, welche Dinge wie folgendes sagen:

„ … Eines der besten Bücher der letzten Zeit und eine Zierde für eine Sammlung großer Kochbücher. …“ -Jürgen Dollase | FAZ

„ … Dieses Buch ist keines der üblichen Kochbücher. Es ist ein Kochbuch zum ästhetischen Genießen, zuerst optisch durch seine Bilder, dann seelisch durch seine Geschichten und dann aromatisch durch seine Rezepte. Es ist im perfekten Sinne ein kulinarisches Meisterwerk! …“ buchgourmet.com

So unterschiedlich doch alle Bücher in ihrer Aufmachung und Herangehensweise an das Thema Kochen doch sind, eine große Gemeinsamkeit bleibt. Allesamt sind sie vom Prinzip her Importprodukte deren erste Veröffentlichung zuerst in anderen Ländern vollzogen wurde, was umso nachdenklicher stimmen vermag.

Vergleiche ich Neuerscheinungen aus Deutschland mit aktuellen Importen, vernehme ich mehr und mehr den Hang nationaler Verlage, weniger zu wagen. Sei es in einem unverkennbaren Designkonzept oder das Darstellen stark individueller Kochphilosophien. Mit einigen wenigen Ausnahmen erlebe ich eine grundsätzlich recht solide und angenehme Qualität kulinarischer Bücher. Wirkliche Sternstunden bleiben dabei jedoch aus.

Woran das liegen mag, ist nun die Frage. Ganz sicher spielt hier in erster Linie der Verkaufspreis eine wichtige Rolle. Der bestimmt am Ende doch maßgeblich den Umfang und die Wertigkeit des Kochbuchs. Bei vielen Lesern mag da eine Grenze jenseits der 50 Euro schon überschritten sein, aber hat doch eine Umfrage hier kürzlich gezeigt, dass Ihr bereit seid, für ein klasse Buch auch einen hohen Preis zu zahlen. Dieser lag bei 149,98 €. Keines der ersten drei Plätze unserer diesjährigen Runde ruft solch einen Preis auf.

Das bereits schon angesprochene Design ist neben der Fotografie für ein Kochbuch ein elementarer Bestandteil, beeinflusst man doch damit wichtige inhaltliche Werte wie Authentizität oder gar die Funktion. Vortreffliche Bücher aus den letzten Jahren, welche ich immer wieder aus dem Schrank hervorhole waren Werke wie die von Sven Elverfeld. Optisch schon ein Hochgenuss und zudem mit einem klaren, sauberen fast schon sterilen Aufbau. Hingucker wie die kaum sichtbare Lackschrift und die Spitzenfotografie von Luzia Ellert machten diesen Koloss von über 500 Seiten zu einem zu recht längst vergriffenen Artikel, der bei heutigem Erwerb deutlich höhere Preise als ursprünglich (75 EUR) auf den Plan ruft. Dieses Druckerzeugnis wurde vom Verlag „Collection Rolf Heyne“ herausgegeben. Leider hat dieser Verlag sein Engagement auf dem Büchermarkt nun zum Jahreswechsel eingestellt. Es gibt da so einige Bücher, die mich ähnlich begeistern konnten, denke ich da an das Lebenswerk von Dieter Müller oder das Kochbuch von Christian Jürgens.

Auch sieht man selten, dass beim Material, dem Papier also, ein kreativer Umgang stattfindet. Titel wie “Quay” oder jüngst auch “Organum” von Peter Gilmore zeigen, was alles so machbar ist. Dort werden 5 verschiedene Papiersorten in einem Buch eingesetzt.

Unvergessen auch das zweite Buch von René Redzepi, der eine komplett neue Art des Kochbuchlesens entwickelte. Zentral steht dort ein Tagebuch, welches Querverweise in das eigentliche Kochbuch wie auch dem ebenso beigelegten Band mit Schnappschussen aus dem Alltag des Küchenteams um ihn herum.

Ansonsten empfand ich die diesjährige Neuauflage des Jahresrückblickes aus dem Hangar-7 recht empfehlenswert. Dort hat man mit dem jüngst geschaffenen hauseigenen Verlag eine neue Art der Aufbereitung der Arbeit von Martin Klein und seinen Gastköchen versucht. Mir gefällt`s sehr gut.

Auch ist bei dem Buch mit dem eigentümlichen Titel „Moos. Fisch. Rinde. Blatt.“ eine sehr interessante Sammlung recht gewagter Naturküche in sehr farbenfroher Manier zustande gekommen. Ein ähnliches Schema findet man bei Sergio Herman, der den Schritt wagte, seine Speisensammlung gänzlich ohne Rezepte herauszubringen. Ein mutiger wenn aber auch stark irritierender Schritt, wenn man berücksichtigt, dass das Wort “Rezepte” den Buchumschlag ziert. Dennoch überzeugt das Buch durch eine ganz eigene Haptik und präsentiert die Gänge in aufklappbaren Seiten. So entsteht eine “USP”.

Rein inhaltlich wurden dieses Jahr auch wieder so einige Säue durch das Dorf getrieben. Vegetarische bzw. vegane und Ernährung mit Rohkost haben meine Nerven durch diese Omnipräsenz schon sehr strapaziert. Man will einfach nur schwer glauben, dass dieses oder jenes Buch mir noch etwas Neues zu vermitteln vermag. Ich sehe als Trend da nun den Überbegriff „Fleisch“ auf der Tagesordnung. Ich bin gespannt.

Für alle Fleißigen unter Euch, welche mir den Gefallen erwiesen haben, den Tippbogen hier auszufüllen, habe ich ja auch 13 Bücher zur Verlosung zur Verfügung gestellt bekommen. Die Gewinner werden nun von mir per Email benachrichtigt und dann umgehend mit neuer Kochbuchlektüre versorgt.

Herzlichen Glückwunsch!

Für alle anderen, welche nicht mit einem Gewinn beglückt werden, bleibt mir nur, Euch ein regelmäßiges Klicken auf den Blog zu empfehlen. Das nächste Kochbuch kommt bestimmt!

 Kauft mehr gute Kochbücher!

 

Quellenangabe © aleksandrsb – Fotolia.com

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Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

One thought on “Das Kochbuch des Jahres 2014

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