Gronda. Der Gastronomie Blog für Karriere, Business und Lifestyle!

So steht`s geschrieben, so soll es sein. Mit diesem beherzten Versprechen geht (-en) seit April 2015 der oder die Verfasser auf Leserfang. Wer hinter dem Projekt steht, wird nicht verraten. Man hält sich bedeckt. Nur dass es sich ebenso um Gastronomen handelt wird verraten, ansonsten traut man sich nicht aus der Deckung. So liest man im Impressum nur folgendes:

„Gronda ist der erste Gastronomie Blog, von Gastronomen für Gastronomen. Alles rund um Food & Drinks, aktuelle Trends und Gastronomie Weltweit, findest du in Zukunft auf Gronda. Wir glauben fest daran, dass der negative öffentliche Wahrnehmung die Gastronomie Jobs umgibt Schnee von Gestern ist. Gastronomie kann cool, einzigartig und abwechslungsreich sein. Der Gronda Blog will über Gastronomie informieren, unterhalten und ein neues Image schaffen.“

Nach dreimaligem Durchlesen bin ich immer noch nicht durchgestiegen, ich probiere es einmal mit den Beiträgen. Die Headlines geben mir da schon ein sehr genaues Bild, auf was für eine Art fundiertes Wissen ich hier wohl treffen werde:

„35 Restaurants mit einer unglaublichen Aussicht“
„Köche, das ist für euch!“
„Wie Du den Gehalt bekommst, den DU willst!“
„20 Dinge die Barkeeper zur Weißglut treiben“
„Mehr Trinkgeld – Der ultimative Trinkgeld- Guide“

Was daran nun das Image der Gastronomie ändern soll, hat sich mir bis hierhin jedoch immer noch nicht erschlossen. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mir den interessantesten Artikel laut Headline herauszusuchen. Bei „21 Dinge die jeder Koch dich wissen lassen will.“ fühlte ich mich direkt angesprochen und ich muss auch sagen, ich bin innerlich aufgesprungen. Aber nicht vor Empathie, ganz im Gegenteil.

Hier werden insgesamt 21 nennen wir es Forderungen an die Wand genagelt, welche das Kunde-ist-König-Prinzip ad absurdum führen. Solche Sitten gab es zuletzt vor mehr als einem viertel Jahrhundert, dort hatten die Chefköche dieser Welt wirklich noch etwas zu sagen und konnten dem Gast diktieren, was er zu essen hatte und was nicht. Das ist heute vorbei. Der Text suggeriert mir, dass der Autor sich solche Zeiten nur allzu gerne zurückwünscht. Warum das so ist, ergibt sich am besten beim Lesen des Pamphlets unter folgendem Link. Danach erklären sich auch viel besser meine Antworten auf alle der 21 Bedürfnisse. Also lesen wir uns gleich auf dieser Seite wieder.

Zu Gronda.at geht`s nun hier lang.

Wie ich sehe, ist Dein Interesse an diesem Thema noch nicht erloschen, Du magst also gerne die volle Packung. So dann mal los!

Forderung 1: Gib dem Kellner Trinkgeld!
Gegenthese: Andere Menschen reißen sich in ihren Berufen ebenso den „A%=*h“ auf, auch gehen die meisten ihren Beruf mit Leidenschaft an und ich möchte mal unterstellen, dass das der Normalfall ist. Das kaufe ich jedem Techniker, jedem Kfz- Mechaniker, jedem Maler und sonst allen Dienstleistern ab. Aber kaum ein anderer Beruf, wie der des Gastronomen identifiziert sich so dermaßen über das Trinkgeld. Die zu schlecht bezahlten Arbeitskräfte sollten sich vielleicht primär Gedanken über die Wertschätzung an der eigenen Arbeit durch den Arbeitgeber machen, als sich das Einkommen über das Trinkgeld der Gäste einzuklagen.

Wenn wir schon bei diesem Thema sind, sollte man sich eher darüber mal den Kopf zerbrechen, warum das Trinkgeld in Lokalen in den seltensten Fällen 50:50 mit der Küche geteilt wird. Aber das steht auf einem anderen Blatt und wird sicherlich auch nicht hier gelöst werden. Sicher ist, wer später auch was als Rente ausgezahlt bekommen möchte, sollte für mehr versteuertes Gehalt auf dem Lohnstreifen kämpfen, als auf die Tips der Gäste zu vertrauen. Und wer es sich leisten kann, Gäste, welche kein oder nur wenig Trinkgeld geben wollen, nicht mehr bedienen zu wollen, wird vermutlich bald selbst alleine zu Hause kochen.

Forderung 2: Fleisch „very well-done“ bestellen sollte verboten gehören.
Gegenthese: Wann hat es eigentlich angefangen, dass der (zum Glück nicht jeder) Koch meint, er müsse jedem sein eigenes optimales Weltbild aufs Auge drücken? Was befähigt denn den Herdkünstler dazu, darüber zu entscheiden, was dem Hirn am Tisch da draußen schmeckt oder nicht? Diese Forderung passt wunderbar in das Bild eines jeden Arbeitnehmers im Dienstleistungssektor, der nicht verstanden hat, was der Wortstamm Dienst oder eigentlich „dienen“ bedeutet. Jedenfalls hat er recht wenig mit dem Begriff Bevormundung zu tun. Auch sehen die wenigsten Gäste in einem üblichen Lokal die Herdhelden als kulinarische Berater an, es sei denn, man bittet diese um einen derartigen Hinweis. Das kommt aber in den wenigsten Fällen vor. Warum aber offensichtlich so viel Halbgötter in Weiß meinen, besser zu wissen, was einem schmeckt (und nun schreibe ich aus lauter Distanz zu diesem Verhalten über meine Berufsgruppe schon in der dritten Person), will mir einfach nicht den Weg in den Kopf bahnen.

Forderung 3: Wahrscheinlich hast Du KEINE Gluten- Allergie.
Gegenthese: Wahrscheinlich geht Dich das gar nichts an. Den Rest erklärt die Gegenthese aus der 2. Forderung. Und der Verweis „Außer Du hast Zöliake“ lässt erkennen, dass hier wohl Nachholbedarf in Sachen „Allergien und ihre Folgen“ dringend notwendig ist. Es gibt durchaus mehr als Zöliake und die Glutenallergie.

Forderung 4: Wenn du eine Allergie hast oder vorgeschriebenen strikte Diät machst, ruf davor an.
Gegenthese: Irgendwie drehen wir uns hier im Kreis. Dieser betroffene Teil an Gastronomen, welcher sich hier wohl vertreten sieht, hat wohl ein großes Problem mit Wünschen jenseits des via Speisekarte kommunizierten Angebots. Das ist aber dem Umstand der mangelnden Flexibilität des reagierenden Handwerkers geschuldet. Sicherlich ist eine Anmeldung einer Histaminintoleranz arg von Vorteil. Aber es ist umgekehrt auch nicht so, dass solche Fälle täglich auftreten. Die meisten Allergien (Gluten oder Laktose) sind ja handhabbar. Sollte dem nicht so sein, empfehle ich besser wieder, dem Gast zu sagen, er solle zu Hause bleiben. Ich bin mir sicher, das spricht sich rum und das Problem erledigt sich von alleine.

Forderung 5: Wenn du eine Allergie hast und davor nicht anrufen kannst, sag dem Kellner davor Bescheid was für eine Allergie du hast, bevor du das Essen bestellst.
Gegenthese: Hier gebe ich der Forderung absolut nach und ich wünsche mir dann aber auch verständlich lesbare Speisekarten. Ich gebe hier mal eine aktuelle Speisenbeschreibung aus einem zufällig ausgewähltem Restaurant zum Besten. Bin echt gespannt, wer da alle Allergene herausliest:
„Pfifferlinge | Mais | Frühlingslauch | Eigelb“ oder etwa „Melone | Koriander | Combawa“
Ich denke, heute kann man bei den minimalistisch geschriebenen Speisekarten vorher sowieso nicht mehr erkennen, ob man denn betroffen ist oder nicht. Ergo müsste man als Gast hinsichtlich eventuell inbegriffener Allergene einen Generalverdacht haben, aber wer will schon einen Gast, der vorausschauend bei dem Pfifferlingsgang anmerkt, er sei gegen Gluten allergisch, auch wenn denn sich aus den gedruckten Erzeugnissen keine Getreidesorten erkennen lassen. Den Kellner möchte ich sehen, der nach dem vierten Kommentar dieser Art nicht entnervt die Augen verdreht.

Forderung 6: Frag den Koch nicht ob er ein Gericht für zwei Personen auf zwei Teller teilen kann.
Gegenthese: Ich rate einmal, sich in der Gastronomie umzuschauen und vielleicht doch mal etwas offener für Gästewünsche zu sein. Es gibt massig Angebote, gerade auf internationaler Ebene, die Gerichte „zum Teilen“ in den Speisekarten anbieten. Wenn denn nun obendrein auch das Anrichten der Elemente auf zwei kleinere Teller zu viel des Guten sein sollte, frage ich mich ernsthaft, was denn solche Köche gerade in die Gastronomie getrieben hat, wenn es denn nicht der Drang ist, Gästen Wünsche zu erfüllen. Vielleicht kommen ja in Zukunft die Gäste in die Küche, und machen das einfach eben selbst, wenn das zu viel ist.

PS: Ich empfehle mal den Blick auf die Seite von „Planet Money“, dort kann man sich anzeigen lassen, welche Jobs mit welcher Wahrscheinlichkeit bald von Maschinen ausgeübt werden, so dass die Handwerker überflüssig werden. Einfach mal bei „Food Preparation and Serving“ die „Restaurant Cooks“ anklicken und staunen. Ihr werdet überrascht sein. Da wäre ich um jede Aufgabe, die mir noch gestellt wird, froh.
Wir drehen uns aber nach wie vor nur um die Frage nach der eigentlichen Aufgabe eines Dienstleisters. Im Grunde genommen liegt der Frust über den Beruf offensichtlich recht schwer auf der Seele.

Forderung 7: Ändere deine Bestellung nicht auf halben Weg durch dein Menü.
Gegenthese: Logisch, was der Gast bestellt und dann nicht haben will, muss er ja auch am Ende bezahlen. Da sollte man natürlich konsequent sein. Da gibt es nichts zu Mäkeln. Widerlich, solche Gäste!

Forderung 8: Nein, es ist überhaupt nicht wie „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“.
Gegenthese: Ich weiß jetzt nicht wirklich, was der Gast für die Küchenplanung kann. Aber ich finde diese Einsicht gut, so weiß der Gast auch endlich mal, wie das Leben da hinten ist, auch wenn ihn das eigentlich gar nicht jucken wird.


Forderung 9: Komm nicht und mach dein eigenes Menü

Gegenthese: Dann bietet einfach kein Essen mehr an. Das wäre das Einfachste!

Forderung 10: Hört auf euch gegenseitig zu füttern, erotisch zu essen und macht nicht am Tisch herum.
Gegenthese: So langsam fällt es mir schwer, das beschriebene Gastrokonzept einzuordnen. Ich denke, normale Gastronomie ist hier wohl nicht gemeint. Auch hier kommt man wohl nicht drum herum, den Gast des Ortes zu verweisen, schon sehr merkwürdig für einen Gastgeber. Und was hat das mit dem Brot und der Butter zu tun? Und welche Schuld tragen da die älteren Businessleute? Fragen über Fragen…

Forderung 11: Lasst uns über Essen zurück schicken sprechen…
Gegenthese: Ich bin hier wieder irritiert. Darf ich jetzt zurückschicken oder nicht. Soll ich nun mit dem Kellner reden, was so der Koch besser machen kann. Ist das meine Aufgabe? Ich bin durcheinander.

Forderung 12: Kellner wissen was es gibt und was welches Gericht enthält.
Gegenthese: Sicher? Ja?!?

Forderung 13: Hört auf Sushi in der Sojasauce zu ertrinken. Es ist einfach falsch.
Gegenthese: Siehe Gegenthese zu Punkt 2!

Forderung 14: Beschwert euch nicht über die Preise.
Gegenthese: Ich mache mir gerade ernsthaft Sorgen um Euch. Ihr scheint ja einem ganz besonderen Schlag von Gästen ausgesetzt zu sein.

Forderung 15: Ein Glas Rotwein sollte genau bei einer Temperatur um 15.5 Grad Celsius serviert werden.
Gegenthese: Ihr ahnt es bestimmt schon…! Siehe Gegenthese zu Punkt 2!

Forderung 16: Fragt nicht ob ihr bevorzugt werdet.
Gegenthese: Dürfen die Gäste bei Euch reden?

Forderung 17: Instagram kann warten.
Gegenthese: Ihr habt ja das Hausrecht, einfach verbieten. Oder am besten den Gast wieder mal aus dem Lokal schmeißen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das weniger instagrams bringt.

Forderung 18: Das Kindermenü ist für KINDER
Gegenthese: Also entweder die Gegenthese zu Punkt 2 lesen, den Gast rausschmeißen oder Kinder verbieten um somit auch keine Kinderkarte anbieten zu müssen. Alle drei Lösungswege führen zum Glück.

Forderung 19: Sich bei einem dreckigen Tisch hinzusetzen ist respektlos.
Gegenthese: Solch ein Disrespekt sollte nicht mit einer Forderung sondern sofort mit einem Rausschmiss bestraft werden. Wir müssten  uns nur so langsam überlegen, welches Gästeklientel nun nach diesem Punkt noch nicht vergrault wurde. Aber das passt schon!

Forderung 20: Wenn du in ein Restaurant kommst wo die Küche um 23 Uhr schließt und du dann ein 3 Gänge Menü um 22:45 bestellst.
Gegenthese: Ich finde mehr und mehr Gefallen an diesem Gästeverständnis (Ironie!). Aber man könnte auch in der Speisekarte final signalisieren, dass man drei Gänge nur noch bis um 22 Uhr annimmt. Dann wäre das geklärt. Es ist aber auch eine Möglichkeit hier recht plakativ die ziemlich negative Meinung zu solchen Kunden zu veröffentlichen, um am Ende so rein garnichts zu ändern. Was stand noch mal im Impressum?

Forderung 21: Köche lieben auch dein Gekochtes.
Gegenthese: Ich selbst hatte es noch nie in meinem Leben satt, selbst gekochte Gerichte zu essen, die Situation stelle ich mir schon recht schwierig vor. Aber ich denke, der Punkt 21 soll wohl signalisieren, dass auch Köche irgendwie nur normale Menschen sind. Den Eindruck konnte ich nach diesen vorherigen 20 Forderungen an die Gesellschaft nicht bekommen. Sorry dafür!

 

PS: Das geht an alle der sich hier ertappten Gäste: Ihr seid bei uns immer herzlich willkommen!

Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

3 thoughts on “Fundstück: Gronda.at a.k.a. "21 garantiert erfolgreiche Tipps, sich auch dem letzten Gast zu entledigen!"

  1. Trachsel on 28. Juni 2015 at 12:46 Antworten

    Danke Herr Sinzinger, ihrem Kommentar ist nichts hinzuzufügen.

  2. […] Artikel namens „Fundstück: Gronda.at a.k.a. „21 garantiert erfolgreiche Tipps, sich auch dem letzten Gast zu entledigen!“ griff vorgestern einen Beitrag auf Gronda.at auf. Zu diesem Artikel bekam ich unter dem Betreff […]

  3. […] zu dem Thema unkt er: „Der Koch­be­ruf ist in der Sack­gasse.„ Gronda (21 Dinge…), Sin­zin­ger (Kri­tik), Sin­zin­ger […]

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