Der Artikel namens „Fundstück: Gronda.at a.k.a. „21 garantiert erfolgreiche Tipps, sich auch dem letzten Gast zu entledigen!“ griff vorgestern einen Beitrag auf Gronda.at auf. Zu diesem Artikel bekam ich unter dem Betreff „Kritik zur Kritik“ folgende Mail, welche mir empfahl, doch nicht immer alles zu ernst zu nehmen. Ich bin da natürlich nicht frei von Fehlern und immergewillt, mein Tun und Handeln stets selbst zu hinterfragen und den Sinn dahinter zu sehen.

Nur leider ist die Darstellung des Berufs Koch in den Medien derart eindimensional, dass ich schon gar nicht mehr anders kann, als vor lauter Unverständnis, allergisch auf solche für mich sinnfreien Beiträge zu reagieren. Sicherlich ist das Internet groß genug für jedermanns Schaffen, man muss sich da nicht unnötigerweise gegenseitig beharken. Mir wird jedoch so gelinde gesagt „speihübel“, wenn ich dauernd diese selbstverliebte Lyrik zu lesen bekomme. Ich kenne wirklich kaum einen anderen Berufsstand, der sich in den letzten Jahren derart selbstbeweihräuchernd aufspielt, als die der Köchezunft. Ich schaue mir gerne immer wieder tolle Gerichte an, finde auch Gefallen an nicht absolut perfekten Tellern, Hauptsache sie sind authentisch. Aber dieses Getöse um sich selbst, wenn man wohl der absolute Oberhammer ist, nur weil man in einer unterbezahlten Position wieder mal 14 h am Stück ohne Pause gearbeitet hat und auch noch stolz darauf ist, wenn man sich daran beteiligt, dass dieses Handwerk sich selbst abschafft, weil kaum einer das noch mitmacht und von vornherein lieber davon absieht, Koch zu werden.

Ein wenig mehr Demut bei so manchen wäre angebracht. Dabei gibt es noch zig Berufsarten, welche viel anstrengender, auf physische als auch psychische Art, sind als die des Gastronomen. Ich denke da an Altenpfleger, Leichenwäscher, Feuerwehrmänner, Ärzte oder gar Fluglotsen.

Für mich steckt der Beruf Koch in einer absoluten Sackgasse. Jeder, welcher dabei hilft, diesen Beruf wieder zu einem Traumjob mit angemessenen Verdienstmöglichkeiten werden zu lassen, ist mir aufs Herzlichste Willkommen. Die Seite Gronda.at gelobt das sogar im Impressum, die Artikel sprechen für mich eine andere Sprache. So wird weiterhin am eigenen Untergang geschaufelt.

Wen will man in 5 Jahren eigentlich noch nach der 12. Arbeitsstunde motivieren, wenn denn keiner mehr zum Dienst antritt. Diese Fragen werden wir uns demnächst stellen, wenn sie denn nicht schon längst auf der Agenda stehen. Aber auch dafür gibt es genug Firmen mit den passenden Fertigprodukten bereitstehen. Mit der Abschaffung des Kochberufs hat man ja in einigen Hotelsegmenten ab einem bestimmten Qualitätsniveau schon längst angefangen. Die wenigsten Gäste bekommen das aber dort mit. Wer das nicht glaubt, braucht nur einmal auf die Homepage von Firmen wie Achenbach oder Sander Gourmet zu schauen. Deren Niveau steigt dort derart rapide an, dass man sich schon wirklich ernsthaft Gedanken machen sollte, ob das der Weg ist.

Aber möchte ich mir mal wieder zwischendurch etwas Lustiges durchlesen wollen, weiß ich jetzt, wo ich mir spaßige Kommentare und selbstadelnde Texte anschauen kann.

Vielen Dank für diese „Art“ von gastronomischen Wandel, Gronda!

Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

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