49,95 €
7.4

Inhalt

7.0/10

Funktionalität

6.5/10

Photographie

8.0/10

Design

7.5/10

Haptik

8.2/10

Pros

  • Schöne Impressionen von der Jagd
  • Gut aufbereitetes Wissen zum Hauptthema
  • mit einigen Zusatzthemen wie Pilze & Beeren

Contras

  • wenig Foodfotos

Zweifelsohne ist die Art der Tierhaltung in Deutschland immer öfter ein wichtiger Kaufgrund beim Kauf von Fleisch- oder Fischwaren. Die hochmodernen Zuchtanlagen sind da weniger verkaufsfördernd und stören das Bild der idyllischen Aufzucht. Biolieferanten und in der Folge auch deren Produkte sprießen nur so aus dem Boden und haben Hochkonjunktur. Doch jedes dieser Konzepte wird niemals an die artgerechte Haltung der erlegten Tiere des Jägers herankommen, logischerweise.

Kochbücher gibt es zu diesem Thema zuhauf. Aber wirklich schöne, die zudem noch spannende Geschichten rund um die Jagd zu bieten haben, finde ich eher selten. In diesem Monat ist solch ein Titel mit dem Namen „Wild“ vom Hölker Verlag herausgegeben worden.

"Wild" Ronald Timmermanns

„Wild: Rezepte, Gesdchichten und
Impressionen von der Jagd

Ronald Timmermanns & Reemko Kraaijeveld

Hölker Verlag
2015, Münster
204 S., gebunden, 49,95 €
ISBN: 978-3881179799
amazon

 

Vor langer Zeit waren alle Menschen Jäger und Sammler, der dazugehörige Instinkt, Tiere zur Nahrungserhaltung zu jagen, hat sich aber mit den Jahren mehr und mehr abgeschafft. Grund dafür ist, der immer weiter vorangetriebene Fortschritt, welcher dazu führte, dass wir lernten Nahrung unabhängig von der Jahreszeit anzubauen und Viehhaltung im immer effektiveren Maße zu betreiben. Wilde Tiere zu jagen ist heute im großen Stil eigentlich kein Muss mehr, aber für einen „ehrlichen“ Fleischverzehr gibt es keine bessere Alternative.

Ameland014Für dieses Buch begaben sich Ronald Timmermanns und der Fotograf Remko Kraaijeveld auf die Reise um zusammen mit verschiedenen Jägern die Antworten auf einige Fragen zu finden. Die Fragen nach der Herkunft der verschiedenen Wildsorten als auch die Art und Weise, wie das Fleisch am Ende des Tages auf den Teller kommt, stehen dabei im Vordergrund.

Dem Leser nähert man sich dafür in den umfangreichen Abschnitten „Federwild“, „Haarwild“, und „Schalenwild“. Aber auch die „Beeren“ und „Pilze“ sind Themen, welche nicht aus der Acht gelassen werden. Einleitend wird man über die Jägersprache aufgeklärt, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat und für Laien nur recht schwer nachzuvollziehen ist, wenngleich sie nicht sogar zum ratlosen Kopfschütteln animiert. So ist das oben benannte Schalenwild nichts anderes als ein Paarhufer, welcher dem Jagdrecht unterliegt. Dieser Name ist wiederum benannt nach den Klauen der Tiere, die man in der Waidmannssprache „Schalen“ nennt.

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Rebhuhn mit Wirsingchips

Nach der Theorie folgt natürlich die Praxis. Der Jäger wird bei seiner Arbeit begleitet. Dies geschieht durch sehr eindrucksvolle Bilder, welche dieses Ereignis eindrucksvoll porträtieren. Die Jagd von Federvieh wie die Ringeltaube, die Wildente, oder auch die Wildgans wird hier in kurzen Texten umschrieben sowie interessante Fakten vermittelt. Ebenso darf auch ein Kapitel über den treuen Helfer der Jäger nicht fehlen. Der Jagdhund.

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Taube mit grünen Erbsen

Diesem widmet man auf zwei Doppelseiten ein Podium. Dort werden die unterschiedlichen Hundetypen und deren Einsatzgebiete vermittelt. Auch sind hier die Anforderungen an einen Jagdhund gut umrissen. So darf dieser nicht durch Bellen, Winseln oder Fiepen auffallen und extrem auf das Wort des Herrchens gehorchen. Beim Apportieren darf natürlich das Fleisch durch einen zu festen Biss beschädigt werden.

Hert1401Natürlich darf bei all dem Jägerlatein in einem Kochbuch auch das Rezept nicht fehlen. Diese präsentieren sich allesamt eher bürgernah mit einer authentischen Hausmannskost. So wird der Fasan zum einen als Braten mit einem deftigen Sauerkraut und gekochten Kartoffeln kredenzt und zwei Seiten später als Ragout mit Pilzen beschrieben. Fotos gibt es nicht zu allen Gerichten. Man bietet dem Leser lieber Eindrücke von der Jagd. Der Rezeptaufbau ist logisch und funktional, wenn gleich einem ohne die Bildvorlage manchmal schon das Ziel vor dem inneren Auge fehlt.

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Rehrückenfilet mit Gratine dauphinois und Morcheln

Dafür sind die Zubereitungsanleitungen immer gespickt mit zusätzlichen Tipps, wie man das eine oder andere Gericht noch sinnvoll erweitern kann. Obendrein gibt es einen recht lesenswertes Kapitel auf die Zeiten, wo die Rolle der Frau bei der Jagd früher als auch heute reflektiert wird.

In diesem Buch gibt es für den Otto- Normal- Verbraucher wahrhaftig viel über die Jagd und das Wild an sich zu lernen. Wer den Jagschein demnächst in Angriff nehmen möchte, ist mit diesem Sammelsurium an Fakten bestens bedient.

Wild • Kochbuchrezension-4

Copyrights der hier gezeigten Bilder: Reemko Kraaijeveld
Hinweis der Redaktion
Ein Teil der besprochenen Produkte wurden von Unternehmen zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Die Links auf dieser Seite sind Affiliatelinks.

Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

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