Supermarkt

Schaut man durch den heutigen “modernen” Supermarkt, müsste einem eigentlich immer noch die Frage kommen, warum es nicht möglich ist, das Kauferlebnis smart zu gestalten. Gerade in riesigen Märkten wie Kaufland, wo man eine schier unersättliche Auswahl zu haben scheint und beim Aussortieren der Optionen furchtbar viel Lebenszeit vergeudet, fällt auf, dass der Supermarkt sich so ziemlich genau das gleiche ist, wie er es vor 30 Jahren war. In Zeiten von smarten Lösungen ist das ziemlich ernüchternd.

Supermarkt

Mit dem Einkaufserlebnis aus dem letzten Jahrtausend inklusive : Der Supermarkt

Kaufe ich heutzutage ein, vollziehe ich so ziemlich das gleiche Erlebnis wie es bereits vor Jahrzehnten schon war. Ich nehme einen dieser altbekannten fahrbaren Metallkörbe und schiebe ihn zuerst am Obst, später an den Cerealien, dem Kaffee, der Milch, der Wurst, dem Käse, den TK- Truhen und zuletzt am Brot vorbei bevor ich an der Kasse stehe und mein Waren auf das Band lege und ganz brav mit dem Warentrenner a.k.a. Warentrennstab von den Kunden vor oder hinter mir abgrenze. Mehr deutsch geht einfach nicht.

Einzig und alleine der Bezahlvorgang ist heute etwas papierloser als früher, doch dies ist ebenso ein eher schleichender Prozess. Ich denke 80 Prozent der Einkäufe bezahle ich ohne Cash in der Tasche. Früher hatte ich bedeutend mehr Plastiktüten immer wieder neu kaufen müssen, weil das Thema Nachhaltigkeit mich noch nicht ergriffen hatte. Das passiert mir heute nicht mehr.

Aber ansonsten ist alles gleich.

In der modernen Gegenwart findet im Supermarkt des Vertrauens gleich welcher Kette seit Ewigkeiten ein Stillstand sondergleichen statt. Man ist lediglich bemüht die Gänge noch enger und die Regale noch voller zu gestalten, so dass man als Käufer noch mehr Auswahl, weniger Rangierfläche und noch mehr Zeit benötigt, um seine Shoppingtour zu vollziehen. Dabei kann alles so viel einfacher und im Zeitalter der Smartphones gar schlauer gedacht sein. Man muss es nur wollen.

Supermarkt

Beispiel I: Der Einkaufswagen

Der Einkaufswagen ist als Begleitung im Markt absolut schlecht genutzt. Er könnte neben der eigentlichen Hauptfunktion, dem Transportieren der Ware von a nach b, so viele weitere Erfüllen. Zum Beispiel kann er als Einkaufsassistent fungieren. So ist es denkbar, dass in der Griffleiste ein fest verbauter Monitor samt Touchoberfläche den Kunden über verschiedenste Dinge informiert. Zum Beispiel ist dort eine Darstellung des eigenen Einkaufzettels in digitaler Form sinnvoll, die neben den bereits besorgten Artikeln vielleicht noch die auflaufende Rechnungssumme zeigt.

Ebenso ist dieses Display vielleicht auch als eine Art Einkaufsberater denkbar, welcher mithilfe einer Rezeptdatenbank saisonale oder gar regionale Gerichte vorschlägt. Eine Mitnahme des ausgedruckten Rezepts direkt nach der Bezahlung kann auf Wunsch so ausgehändigt werden.

Ebenfalls kann man dem Kunden dabei helfen, Foodwaste zu verhindern. Analysiert der Korb zum Beispiel den Einkauf in Echtzeit, kann der Assistent smart und individuell Vorschläge unterbreiten, wie man mit dem Erwerb von ein oder zwei zusätzlichen Dingen, welche man vermutlich so nicht auf dem Schirm hatte, eine Vielzahl an Gerichten zusätzlich zubereiten kann. So verwirklicht man vermutlich mehr neue und unbekannte Speisen, verlässt bekanntes Territorium und spart in der Konsequenz zudem noch Geld.

Supermarkt

Dieser Assistent ist wiederum als eine Art Ernährungsberater einsetzbar. Führt man zum Beispiel ein Punktesystem ein, welches in Echtzeit bewertet, wie gesund oder ungesund der Einkauf gerade stattfindet, kann man so über ein Belohnungssystem animieren, sich ausgewogen zu ernähren. Für gesunde Produkte bekommt der Kunde Punkte.

Dass zudem vermutlich solch ein Display unter anderem als Informationsfläche für speziell zugeschnittene Lebensmittel dienen kann, sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls unterscheidet sich solch ein System von der heutigen Desinformation derart frappierend, dass man so vermutlich das komplette Kauferlebnis neu erfinden würde. Individualität wäre auf einer gänzlich anderen Ebene spürbar und dem Kunden zu vermitteln.

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Beispiel II: Die Standardware oder sehr individuelle Produkte

67 % der Käufer besorgen sich immer wieder die gleichen Produkte. Insofern gleicht der Einkauf in der Mehrheit einem immer wiederkehrenden Ritual, welches man deutlich abkürzen könnte. Einzig und alleine die mannigfaltige und deutlich übertriebene Auswahl hinter den Kunden daran, die Erfahrung im Markt zeitlich kurz zu halten. Man ist gezwungen, gewisse Wege immer und immer wieder abzufahren.

Warum eigentlich?

Kann ich meinen Einkauf der Standardartikel nicht direkt zu Hause, bevor ich im Laden eintreffe zusammenstellen? Geht es denn nicht, dass ich per App von unterwegs alles eingebe und vor Ort ein Mitarbeiter diesen ganzen Standardkram à la Milch, Mehl und Zucker bereits zusammenstellt? Denn genau diese Wege sind doch so mühselig und solche Zutaten werden selten in der Marke gewechselt. Das geht einfacher und man hat mehr Zeit für die wirklich spannenden Themen im Markt.

Für mehr Individualität beim Einkauf

Vielmehr als sonst kann durch ein smartes Bedienkonzept bzw. einem intelligenten Einkauf vorm Betreten des Marktes der Käufer gemäß seiner Präferenzen die Artikel zusammenstellen. Ist es heute recht mühselig, Produkte mit bestimmten Merkmalen wie bio, laktosefrei, glutenfrei, vegan, vegetarisch, etc. in den riesigen Regalen zu finden, wäre es möglich, den Käufer vorab auswählen zu lassen. Auch bekommt man viel schneller eine Übersicht, was überhaupt an verfügbaren Waren infrage käme, wenn man einfach mit einem Filter die Produkte auflisten lässt und schließlich daraus wählt.

Auf diese Art kann man auch direkt informiert werden, wenn mal ein Artikel nicht verfügbar ist und wann dieser eintrifft oder welche Alternativen vorrätig wären. Habe ich dann immer noch den Wunsch, durch die Regale zu schlürfen, um dieses oder jenes noch zusätzlich zu kaufen, dann kann ich das fast schon ohne Korb und vermutlich in einem Bruchteil der Zeit schaffen. So müsste weniger Ware ausgestellt und weniger Zeit beim Kauf aufgewandt werden. Für den Einkäufer ist das schon ein Mehrgewinn an Lebensqualität. Ich bin mir sicher, dass gerade in den Ballungsgebieten das Einkaufen längst nichts Entspannendes mehr ist.

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Beispiel III: Schlepperei & Stau

Das Nervigste an allem ist doch die Schlepperei. Sicherlich gibt es bei vielen noch den Bedarf, persönlich beim Markt vorbeizuschauen, und die Ware in Augenschau zu nehmen, um dann zu entscheiden, was man mitnehmen möchte. Das ist sicherlich in Zukunft auch nicht wegzudenken. Doch kann ich mir gut vorstellen, dass der Einkauf, nach wie vor mit einem persönlichen Erscheinen beginnt, man den Laden jedoch nicht mit der Ware verlässt, sondern die Bestellung lediglich aufgibt und zusammenstellt.

Hinterher kann mit einem effektiven Algorithmus bestimmt werden, wie die Nachbarschaft dann mit den Lebensmitteln vom Betreiber des Marktes versorgt wird, zeitnah natürlich.

Würden dann für 10 Großeinkäufe vermutlich die gleiche Anzahl an Autos auf der Straße Platz finden müssen, um die Ware nach Hause zu bringen, wäre es smart gedacht vermutlich lediglich ein Großtransporter. Man könnte auf diese Art besonders viele Herausforderungen lösen. Es wären weniger Autos auf den Straßen, es gäbe keinen derart großen Bedarf an Ausstellungsfläche in den Märkten mehr, um die Ware ausreichend vorrätig zu halten und diese Schlepperei hätte für den Kunden gerade bei den Großeinkäufen ein Ende.

Fazit

Meiner Meinung nach, tut sich in der Summe noch viel zu wenig. Es muss wirklich vielmehr passieren, bedenkt man, dass sich andere Industriezweige viel intelligenter mit den Möglichkeiten der Vernetzung anstellen. Im Segment der Supermärkte kann man zwar beobachten, dass hier und dort Tests stattfinden, um den Einkauf individueller zu gestalten. Das sind dann in der Regel nur Testballons von kurzer Dauer. So richtig neu hat sich kein Supermarkt bisher erfunden.

Warum eigentlich?

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Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 8 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an.

6 thoughts on “Warum ist Einkaufen im Supermarkt eigentlich so unsmart?

  1. Andree on 21. Juni 2019 at 09:56 Antworten

    “Führt man zum Beispiel ein Punktesystem ein, welches in Echtzeit bewertet, wie gesund oder ungesund der Einkauf gerade stattfindet”
    Da es weder gesunde, noch ungesunde Lebensmittel gibt, außer in der Ernährungspropaganda, ist dies letztlich Bevormundung.
    Smart bedeutet in deutschen übrigens freundlich, gutaussehend, tolle Umgangsformen. Smart im englischen was ganz anders.
    Man kann auch nicht in einem Land, welches dem technologischen Untergang entgegen geht, nicht mal seine Bürger mit Internetzugang versorgen kann und für dess Regierung das alles Neuland ist, solche Innovationen erwarten.
    Es gibt auch schlicht die MA nicht, die dir Einkäufe zusammenstellen.

    1. Steffen Sinzinger on 21. Juni 2019 at 11:17 Antworten

      Wieso ist ein Punktesystem eine Bevormundung. Letztendlich ist es ein Hinweis darauf, wie ungesund oder gesund das jeweilige Produkt ist. Code Check ist eine App, die macht das seit Jahren super vor. Dort steht sogar drin, ob schädliche Chemikalien enthalten sind.
      Und dass es keine gesunden und.m ungesunden Lebensmittel gibt ist für mich kein griffiges oder gültiges Argument, weil es einfach nicht stimmt. Am Ende kann der mündige Bürger selbst entscheiden, ob er dem Score glaubt oder nicht. Nur der Bürger, dessen Bildungs- oder Wissensstand auf solche Dinge angewiesen ist, wird das zu schätzen wissen. Auch muss man sich nicht zig Stunden durch die verschlüsselten Inhaltsangaben der Produzenten lesen. Dort wird das ja aus Verschleierungsgründen verschlüsselt und das ist für mich eher Propaganda. Smart bedeutet wortwörtlich übersetzt einfach nur „clever“.

      Ist alles ein wenig schwarz gemalt, aber Deine Meinung ist halt so und ich akzeptiere das. Heute ist man mehr denn je in der Lage, am Prozess zu partizipieren, wie das Land wohin auch immer hinsteuert. Altbekannte Konzepte werden morgen nicht mehr sein. Durch die Digitalisierung und Globalisierung befinden wir uns ohne Untertreibung in einer zweiten Renaissance, wo viele Gesetze neu geschrieben werden müssen und alte Riten so nicht mehr funktionieren.

      PS: Warum sollte es keine MAs nicht geben, die mir das zusammenstellen und packen? Wenn der Markt dadurch mehr Umsatz in kürzerer Zeit generiert, weil eine Nachfrage dessen besteht, wird der findige Unternehmer das auch bewerkstelligen.

  2. Andree on 21. Juni 2019 at 11:34 Antworten

    Es ist Stand der Wissenschaft, dass es keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel gibt, da Ernährung was individuelles ist. Was dem einen bekommt, bringt den nächsten um.
    Es sterben Leute an Nüssen, an Äpfeln usw.
    Nach der Einteilung in Punkten, Ampeln oder sonst was ist Olivenöl ungesund, weil fett, ein Lightgetränk gesund, weil Zucker reduziert. Sojamilch kann bei einigen Männern Zeugungsunfähigkeit auslösen, aber eben nicht bei allen, also auch nicht ungesund. So kannst du es mit jedem Lebensmittel machen.
    Zusammenstellungen in Supermärkten kann du nur durch Roboter und Rechner erreichen. Dann stellt sich aber die Frage, warum noch einen Einkaufwagen. Anklicken und am Eingang wird deine Einkaufstasche gefüllt wäre es doch, oder?
    Den Supermarkt ganz neu denken, viele Lebensmittel verpackungsfrei und eintüten, ohne dass ein Mensch es berührt. So wäre meine Idee.
    Einmal eine Reise nach Asien, China, Singapur usw. und du weißt, dass es Europa nicht schaffen wird.
    Denk nur an alle Verordnungen und Regulierungen, die du als Küchenchef zu beachten hast. Das potenziert sich noch in Sachen Unternehmenslenkungen.
    China bastelt am Standard G6 und eine Verhundertfachung der Geschwindigkeit, D. bildet einen Ausschuss um zu Überlegen, wie wir irgendwann digitalisieren.

    1. Steffen Sinzinger on 21. Juni 2019 at 11:50 Antworten

      Dann bitte ich hier um Quellenangaben, die die These mit gesund und ungesund belegen. Für mich ist das absolut irreführend, sowas zu behaupten. Ganz sicher gibt es Unverträglichkeiten und Allergien, aber sie du schon sagst, sind die individuell und man kann durchaus auf einen durchschnittlichen Menschen schlussfolgern, was dem gut tut und was nicht. Alles andere ist Haarspalterei und führt zu gar nichts. Lightgetränke sind nicht mit gesund weil dort Inhaltsstoffe wie Aspartam enthalten sind die auf längere Zeit Probleme verursachen können. Das steht dann eben dort auch. Ich kann durchaus ein Lebensmittel klassifizieren. Das ist absolut möglich. Wenn ich natürlich derart penibel in die Materie eintauche und für jede seltene Möglichkeit ein Szenario darstelle, komme ich natürlich zu nichts. Und das ist genau das, was zu diesem Stillstand führt.

      So wie du es beschreibst soll es sein. Anklicken, hinkommen und vielleicht noch schnell mal reinschauen, ob mich was anmacht und vorne zusammengestellt abholen. That’s it. Ob das ein Roboter packt oder im Idealfall ein Mitarbeiter der bezahlt wird, ist dann die Frage beim Ausrollen.

  3. Andree on 21. Juni 2019 at 11:59 Antworten

    Wer behauptet, dass etwas gesund oder ungesund ist, muss es belegen. Diese Belege konnten bislang bei Lebensmitteln nicht erbracht werden. Beim ruachen kannst du es, bei Essen nicht.
    Du kannst weder durch Lebensmittel schwere Krankheiten verhindern, noch erzeugen. Wunschdenken und Realität stimmen nicht überein. Man hat sogar versucht, mit ganz viel Obst und Gemüse Krebs zu verhindern, mehrmals täglich.
    Ergebnis: Keinerlei Effekt, außer mehr Darmerkrankungen. Die EU hatte 10 Jahre ins Projekt gesteckt, hunderttausende Euros. Nichts auf der Speisekarte deines Restaurants ist ungesund.

    1. Steffen Sinzinger on 21. Juni 2019 at 12:20 Antworten

      Ganz ehrlich. Ich denke, ich bin absolut nicht einverstanden mit dem was du sagst. Merke aber auch, dass wir uns hier im Kreis drehen. Insofern sei es drum, ich habe doch eh recht. 🙂

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