Clubhouse

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as neue Ding nennt sich Clubhouse. Es wird großflächig ausgerollt. Was zu Beginn noch recht unorganisiert war und nur einem speziellen Publikum zugänglich gemacht wurde, geht nun in die Offensive. Durch die Möglichkeit mehr und mehr der Freunde einladen zu können, ist es nun nicht mehr all zu exklusiv. Die Mitgliedschaft ist in greifbare Nähe gerückt. In der hiesigen Presse ist die Reaktion teilweise typisch deutsch und voller Vorbehalt geprägt. Das hat mehrere Gründe. Wer sich dem Medium öffnet, wird sich zu Beginn erst zurechtfinden müssen. Warum der Aufwand sich dennoch lohnt und meiner Meinung nach viel Musik in dieser App steckt, lies du hier.

Es nennt sich Clubhouse. Es ist ausschließlich für die Ohren gedacht und derzeit nur für iPhone Besitzer zugänglich. Obendrein ist die App nicht barrierefrei, da es keinen Lösungsansatz für Gehörlose gibt. Das eigene Kontaktbuch muss man zur Nutzung teilen, was aufgrund der Datenschutzbestimmungen hierzulande höchst kritisch ist. Außerdem gab es zum Start in den Staaten die Herausforderung, dass zum Teil rassistischer Content geteilt wurde. Grund genug, diese Clubhouse App vom Start an kritisch zu betrachten. Jedenfalls wurde es in der deutschen Presse so angegangen.

Clubhouse is the new Black

Mir ist diese deutsche Herangehensweise, dass alles erst einmal auf Sicherheitstandards abgeklopft werden muss und man lieber nein zu allem Neuen sagt, nicht so empfehlenswert. Das führt ganz klar zu mehr Sicherheit im Netz, verschleppt aber nicht selten ganze Trends, die so nicht einmal angegangen werden können, weil wir zu lange abwarten.

Also rein ins Getümmel! Sicherlich ist es absolutes Neuland, wenn man sich nur mit dem eigenen gesprochenen Wort mitteilen kann. Ein wenig Scheu spielt auch bei mir mit aber die ist schnell abgelegt. Scrollt man durch die einzelnen Räume, in denen sich jeder zu allen möglichen Themen in allen möglichen Sprachen austauschen kann, dann ist das Qualitätsniveau doch sehr unterschiedlich. Hier und da gibt es bereits sehr viel professionell moderierten Content, vor allen Dingen ist das im Tech- Bereich der Fall. Dort werden neue Technologien mit  den Gründern direkt besprochen.

Auch die Köche lassen sich nicht lumpen und geben direkt zu Beginn Vollgas und zeigen, dass auch sie zur Kommunikation fähig sind. Es werden Räume zu unterschiedlichen Diskussionen angelegt, die sich noch nicht stark an das vorgegebene Thema halten und versuchen viele Themen in möglich kurzer Zeit anzufassen. Das frustriert natürlich. Gerade dann, wenn man sich bei dem einen oder anderen Sachverhalt eine tiefere Diskussion wünscht, ist es oft nicht möglich, bei einem Thema zu bleiben.

Clubhouse
Clubhouse

Was bei Clubhouse nicht passieren darf.

Ich bin mir sicher, dass sich das mit der Zeit geben wird und in zwei Wochen wir viel weiter sind. Denn für einen guten Raum braucht es einen guten Moderator, der diesen roten Faden zieht. Was mich an dem Medium Clubhouse besonders reizt, ist die Möglichkeit, mit Menschen in Verbindung zu treten, die einem so nicht begegnet wären. So kann man hier vor allen Dingen auch mit Journalisten, Politikern, Gründern, Unternehmern und was weiß ich alles noch kommunizieren. Solche zivilisierten Debatten sind nicht nur meinungsbildend sondern inspirierend zugleich.

So ist es möglich, sich von simplen Kochtechniken bis hin zu Erfahrungsberichten aus der Gastroszene unterhalten zu lassen. Überhaupt ist der Grad zwischen Unterhaltung und Businesstalk sehr fließend. Was gerade eben noch ein netter Plausch gewesen ist, kann in der nächsten Sekunde zum absolut professionellen Geschäftsplausch ausarten.

Einer der Grundregeln in dieser Umgebung lautet, dass hier gesprochenes nicht in der Öffentlichkeit zitiert werden darf. Dass mit dieser Regel direkt gebrochen wurde, als ein Journalist der WELT über den Talk im Clubhaus berichtete, stützt meine These, dass dieses noch jungfräuliche und spannende Konzept wohl Gefahr läuft, verwässert zu werden. Wenn nicht klar ist, dass das gesprochene Wort jederzeit entgegen der Regeln doch zitiert wie, dann spricht man nicht mehr frei.

Clubhouse

Fazit zu Clubhouse

Ich hoffe nur eines. Dass sich diese Plattform nicht allzu schnell kommerzialisieren lässt. Denn dann läuft sie vielleicht Gefahr, zu einer Dauerwerbesendung zu werden. Auch müssen sich die Moderatoren ihrer Rolle als steuernde Gewalt bewusst werden, damit sich die Gespräche, die wirklich gut werden könnten nicht im belanglosen Trash verlieren.

Ich bin auf jeden Fall gerne auf Clubhouse und werde mich eher aktiv in diesem System tummeln. Immer mit einem offenen Ohr in jedem Raum. Denn was dieses Netzwerk den anderen voraus hat, ist das ausschließlich gesprochene Wort. Und das verbindet dann doch irgendwie anders.

Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 10 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an. Als vermutlich Deutschlands einziger Küchenchef produziert er regelmäßig seinen eigenen Blog.

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