besten Kochbücher

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eit mehr als zehn Jahren bespreche ich auf dem Blog der Berliner Speisemeisterei Kochbücher aller Art. Natürlich mit einem Hang zu den hochwertigeren Werken der Sterneköche. Hat sich zu Beginn bei fast jeder zweiten Kochbuchbesprechung etwas in den Top 10 getan, ist das heute nicht mehr so. Längst nicht jedes Buch kann sich in der ewigen Liste in den ersten Rängen unter den besten zehn Kochbüchern etablieren. Umso mehr ist es eine Freude, wenn es dann doch einmal passiert.

Die Bewertung nehme ich nach fünf Subkategorien vor. Ich vergebe bis zu jeweils zehn Punkte für “Inhalt & Thema”, “Funktionalität”, “Photographie”, “Design” und “Haptik”. Das sind für mich alles wichtige Aspekte, die man gut bei einem Kochbuch einordnen kann. Mir macht es außerordentlich Spaß, immer mal wieder durch den gesamten Index zu scrollen, um zu sehen, wie sich der Kochbuchmarkt über die Jahre entwickelt hat.

Top 10
Kochbücher

Solltest du ähnlich kochbuchbegeistert wie ich sein, dann setze dir für diese Seite einen Bookmark, denn sie wird bei jeder Veränderung aktualisiert. Zuletzt wurde das neue Lebenswerk von Eckart Witzigmann hinzugefügt. Dieses Meisterwerk ist direkt auf Platz 6 eingestiegen. Doch jetzt widmen wir uns den 10 besten Kochbüchern in der ewigen Liste.

#1
The Aviary - Cocktail Book

Der sehr experimentelle Charakter fasziniert mich sehr. Man hat es hier wohl mit absoluten Freigeistern zu tun, welche sich ziemlich offen in alle Richtungen wagen. Herauskommt eine unheimlich Vielfalt, welche ich so bisher in einem Buch über Cocktails nicht erleben konnte. Sicherlich wird man sich fragen, kann man mit diesem Buch auch zu Hause etwas anfangen, oder ist dies lediglich ein Buch für Profis. Meine Meinung ist dazu folgende.Selbst wenn man nicht zwingend jeden Cocktail hier umsetzen kann, wird man in vielerlei Hinsicht mit Inspiration zu eigenen “abgespeckten” Versionen der hier abgebildeten Drinks kommen können. Ich würde sogar soweit gehen, dass man kein weiteres Cocktailbuch mehr benötigt, hat man sich dieses hier angeschafft. Es überzeugt erstens durch eine erstklassige Verarbeitung. Die Bilder sind brillant und die Inszenierung sehr akkurat bei den Farben und Kontrasten und so ziemlich das Beste, was ich bisher so an kreativer Arbeit in diesem Sektor gesehen habe. Der Preis gemessen am Umfang fast schon lächerlich gering.

#2
elBulli 2005-2011

17,8 kg schwer und mit einem Umfang von über 2500 Seiten ist “elBulli 2005-2011” kein Leichtgewicht. Überhaupt ist allgemein bekannt, dass der Katalane Ferran Adrià sich nicht mit halben Sachen abgibt. Dieser 7- teilige Band ist der Beweis dafür. Er ist der Wegbereiter der modernen Küche, welche dabei oft auch als “Molekularküche” verschrien worden ist. Viele haben dieser Art des Kochens auch schon das Ende vorhergesagt, doch so einfach kann man es sich nicht machen, ist der Übergang in andere Kochstile eher fließend. Heute wendet man mit Sicherheit nicht weniger der Texturen wie Lecithin, Agar Agar, Xanthan und Co, welche von Adrià fast schon salonfähig gemacht worden sind, an. Ganz im Gegenteil. Jedoch wird der Umgang nun aber eher vorm Gast versteckt. “elBulli 2005-2011 gilt heute noch als Referenz.

#3
Modernist Cuisine at home

Modernist Cuisine at home schließt endlich ein zeitgemäßes Standardwerk die Kluft, die so viele tolle Kochbücher hinterlassen, indem sie zwar viele Rezepte anbieten, welche die meisten der hier erklärten Geräte voraussetzen, aber gleichzeitig kein Platz schaffen, um die neuen Abläufe und Funktionsweisen der Küchennovitäten nachvollziehbar und verständlich zu machen. Das schafft “Modernist Cuisine at home” spielend. Es wird wohl zudem für die nächsten zwei Dekaden als Referenzwerk in Sachen Küchentechnik sowie -wissenschaften dienen. Zudem hilft es dem Heimanwender komplexe Abläufe zu entmystifizieren. Ein einzigartiges Kochbuch, welches bei keinem Heimanwender fehlen sollte.

#4
Yannick Alléno | "Französische Küche"

Um bei diesem Buch nicht sofort sämtliche Salven an Superlativen aufzubrauchen, ist man gut bedient, wenn man sich zuerst einmal an die harten Fakten hält. Bei dieser Buchbesprechung ist die Rede von einem Buch mit 780 Seiten, 1500 Bildern aus mehr als 500 Rezepten der vergangenen 25 Jahre eines Yannick Alléno. Ernüchtert stelle ich fest, dass ich selbst bei der bloßen Aufzählung dieser Eigenschaften bereits so einige nur schwer zu überbietende Steigerungen gebraucht habe. Dabei sind wir noch nicht einmal bei dem Volumen dieses Machwerks angekommen. Das Buch ist 6,6 cm dick und unglaubliche 37,8 cm lang und 28,4 cm breit. Es hat einen flexiblen Umschlag, sofort tun sich Parallelen zu einer Bibel im kulinarischen Sinne auf. Diese Analogie wird sich noch als sehr treffend erweisen, ohne dabei allzu kitschig zu werden. Denn dieses Buch ist State of the Art, wenn es um die moderne Interpretation frankophiler Kochkunst geht. Ein Muss für alle Fans der Haute Cuisine.

#5
Eleven Madison Park – The Next Chapter • Daniel Humm

Die zwei Bücher sind in ihrer Anmutung nicht weniger anspruchsvoll. Die Haptik bei dem Rezeptband ist sehr angenehm und auch bei der Fortsetzung setzt man vom Design her auf viel Weißflächen und schafft so eine sehr lockere und offene Formgebung. Francesco Tonelli ist ein Meister seines Fachs und zeichnet sich bereits durch die bisherige Arbeit in den Büchern von Daniel Humm und Will Guidara aus. Als da wären “Eleven Madison Park – Das Kochbuch”, “NOMAD- Das Kochbuch”, “I love NY – Mein New York Kochbuch”.Seine Bilder sind perfekt ausgeleuchtet und die Farben im Druck sauber wiedergegeben. Als Navigationshilfe sind jedem der beiden Bücher zwei Bänder eingenäht. Das empfinde ich immer öfter als sehr hilfreich. Das Buch ist ein absolutes “Must-have” und ich bin gespannt, wieviel Zeit vergehen mag, bis die 11.000 Stück ausverkauft sind.Sicherlich ist der überaus stolze Preis kein Pappenstiel, dennoch bin ich mir sicher, dass es seine Abnehmer finden wird.

#6
Eckart Witzigmann – Was bleibt

Wie auf den Portraitfotos der jeweilige Protagonist im Hintergrund mit dem Ghosteffekt langsam ausblendet wird, wird dieses kulinarische Schwergewicht Eckart Witzigmann mit der Zeit ebenso mehr und mehr in den Hintergrund treten. Doch er hat mit seinem Einfluss die deutschsprachige Gastronomie wie kein Zweiter gestaltet und gelenkt. Er wird noch viele Jahrzehnte in Erinnerung bleiben, so viel ist sicher. Seine ikonischen Gerichte werden später in neuinterpretierten, modernen Versionen immer wieder zum Leben erweckt werden. Mit diesem großartigen Buch im richtigen, geradezu perfekten Format hat man ihm und vor allen Dingen seinen unzähligen Fans zu seinem 80. Geburtstag ein unheimlich faszinierendes Geschenk gemacht. Mir scheint, diese Ausgabe dürfte reisenden Absatz finden. Zu recht.

#7
René Redzepi | "A Work in Progress: Notes on Food, Cooking and Creativity"

René Redzepi setzt sich in dieser Lektüre unter anderem auch mit den Begleiterscheinungen des Kochberufs auseinander, der oft Beziehungen gleich welcher Art im Privatleben scheitern lässt. Dieser Titel ist wohl mit Sicherheit ein Grund, warum in Zukunft vermehrt Köche wieder unendlich viel Zeit beim Tüfteln am Herd verbringen werden. Aber auch für Menschen außerhalb der professionellen Küchen ist dieses Buch schon gerade wegen der wunderbaren Erzählweise im Tagebuch ein Garant für viele sehr unterhaltsame Stunden.

#8
Maaemo von Esben Holmboe Bang

Für wen ist Maaemo gedacht? Diese Frage stellt sich am Ende des Tages bei fast jedem Band. Hier ist es eigentlich klar. Die Küche ist unter Garantie nicht für jedermann zu Hause zu realisieren. Dennoch bin ich der Meinung, dass es kein Buch ausschließlich für Profis oder sehr ambitionierte Hobbyköche ist. Ich würde jedem dieses Buch anraten, wer sich schon immer sehr für die nordische Küche interessiert hatte und auch etwas über die Regionen kennenlernen möchte. Gerade die vielen Impressionen und Geschichten geben vieles über diese Gegend preis. Es hat somit eine recht universelle Daseinsberechtigung. In meinem Regal steht es jedenfalls ab sofort und das recht gut erreichbar.

#9
Die Weltköche zu Gast im Ikarus: Außergewöhnliche Rezepte und wegweisende Chefs im Porträt: Band 6

Rein inspirationstechnisch kann jeder Hobbykoch hier viele Geschmackskombinationen erlesen und für seine eigenen Gerichte zu Hause in einer Art Adaption nachkochen. Ganze Rezepte in den heimischen Wänden nachzukochen, halte ich dann doch für ein wenig zu herausfordernd, wenn man nicht alle hier eingesetzten Gerätschaften besitzt. Eine ganz klare Empfehlung für Fans der zeitgenössischen Kochkunst ist es allemal, für Profis sowieso. Ziemlich trendsicher und vorausschauend wird in Die Weltköche zu Gast im Ikarus das Kochen, welches heutzutage in den besten Restaurants der Welt stattfindet in einer Art kulinarischer Momentaufnahme gezeigt. Der Preis wundert mich nun sechs Jahre nach dem Wechsel in den Pantauro Verlag immer noch sehr. Ist er mit 59,95 € extrem tief für das, was an Inhalt auf den Käufer wartet.

#10
El Celler de Can Roca

Von vornherein kann sicherlich unterstrichen werden: „Nicht zum Nachkochen in einer Otto-Normalverbraucherküche geeignet“. Denn dafür bedarf es allerhand Ausrüstung und viel Know-How. Fürs Letztere liefern die Gebrüder mit diesen 466 Seiten eine sehr umfangreiche Anleitung, die sich in Sachen Innovationskraft und Forscherdrang in jedem Fall mit dem Jahrhundertwerk von Ferran Adria messen kann. Die drei Brüder, Joan (Chefkoch), Joseph (Maître) und Jordi (Chef Patissier) kann man getrost zu den drei besten Handwerkern in Spanien zählen. Ihre Kreativität ist dermaßen überwältigend, dass sich die Kritiker im Loben gar überschlagen. Einzigartig ist dabei das familiäre Untereinander. Ca. eine Stunde nordöstlich von Barcelona in der kleinen Provinzstadt Girona in Katalonien kann man deren Restaurant „El Celler de Can Roca“ finden. Wer nicht dorthin fahren kann, besorgt sich am besten das Buch.

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Author

Steffen Sinzinger

Steffen Sinzinger, Jahrgang 1980, ist ein in Berlin lebender Küchenchef und seit nun mehr als 10 Jahren ein passionierter Foodblogger. In der deutschsprachigen Bloggerszene ist er ein fester Bestandteil und spricht mit seinen breitgefächerten Themen sowohl die professionellen Köche als auch die am heimischen Herd kochende Fraktion an. Als vermutlich Deutschlands einziger Küchenchef produziert er regelmäßig seinen eigenen Blog.

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